Der erste Schritt

Den Mut zu Veränderungen aufbringen


Den Mut zur Veränderung aufbringen - Die ersten Schritte.
Eine Veränderung der aktuellen Situation braucht oft Mut, Kraft und Zielstrebigkeit. Zu verlassen, was belastet, bringt neue Herausforderungen und das kann zunächst abschrecken.

Der erste Schritt ist oft ein sehr schwieriger.

 

Mut zur Veränderung bedeutet für jeden von uns etwas anderes und allgemeine Ratschläge, die den anderen ermutigen sollen, sind nicht immer sinnvoll, auch wenn sie gut gemeint sind.

 

Jedes erste Mal ist ein wichtiger Schritt. Mit der Zeit und mit mehr Übung in den zu verbessernden Bereichen wird es leichter und leichter. Wie schnell dieses leichter von der Hand geht, hängt natürlich auch davon ab, wie oft wir Gelegenheit zum "üben" haben.

 

Was ist, wenn uns der Mut zum ersten Schritt fehlt oder wir sowieso vollkommen entmutigt sind?

 

Wenn wir den ersten Schritt einer Sache machen wollen, die wir gerne ändern würden, es dann aber doch nicht schaffen, können wir davon ausgehen, dass zuvor andere schritte wichtig sind. Vielleicht ist erst das eigene Innere mit dem Aufräumen oder Verbessern dran, bevor im Außen ein neuer Schritt gemacht werden kann. Möglich ist auch, dass der gewählte Schritt zunächst viel zu groß ist und wir erstmal in einem kleineren Rahmen "üben" sollten. Nicht jeder wird von heute auf morgen zum Vortragsredner oder Konkurrenzkämpfer. Manchmal müssen erst andere Fähigkeiten "trainiert" werden, bevor unser Wunsch Wirklichkeit werden kann. Dann kann sich ein Schritt auf dem nächsten aufbauen und eines Tages schaffen wir es, unsere angestrebte Veränderung in die Tat umzusetzen.

 

Mutlosigkeit

Mutlosigkeit. Keinen ersten Schritt machen können.
Manchmal geht es nicht vor und zurück. Eine Situation erscheint aussichtslos. Mutlosigkeit zeigt sich.

Wenn wir dem Leben so wenig Positives abringen können, dass wir den Sinn in einer Veränderung nicht mehr sehen können, stecken wir sehr wahrscheinlich in einer Blockade oder Lebenskrise.

 

Eine erste und wichtige Veränderung besteht hier im Rückzug aus dem Getriebe, in dem wir stecken. Zumindest in dem Rahmen, der uns möglich ist. Denn oft sind es unsere Verpflichtungen, die gerade dies nicht zulassen. Auf längere Sicht können wir unsere Verpflichtungen überprüfen, um festzustellen, welche wir im Außen abgeben können, aber zumindest die zu finden, zu welchen wir im Inneren auf Distanz gehen können, um Energie freizusetzen.

 

Distanz bedeutet bspw. der Verpflichtung einen neuen Wert zuzuweisen und die Angelegenheit als weniger wichtig einzustufen.

 

Kurzfristig ist es sicher ratsam, sich dessen überhaupt bewusst zu werden, dass 1. eine schwierige Situation vorliegt und 2. die Auflösung derer Zeit und Energie benötigen wird.

 

Kurzfristig kann es sein, dass wir uns um Verbindungen oder Verträge kümmern müssen, um langfristig neuen Spielraum für unser Leben zu bekommen.


Beispiele aus dem Leben

Selbsterniedrigung

Für Menschen, die eher aus einer sich selbst herabsetzenden Position (Selbstbeurteilung) kommen, ist zunächst die Bewusstheit dessen, dass sie sich das teilweise selbst antun - nämlich sich selbst in Bezug zu anderen zu erniedrigen -, ein schwieriger aber wichtiger Schritt. Zu erkennen, das es teilweise an uns selbst liegt, sich schlecht behandelt zu haben und es nicht immer die anderen waren, dazu gehört Mut. Die Meinung der anderen über die eigene zu stellen und diese ungeprüft zu übernehmen hat zur Folge, dass wir schlecht über uns denken. Wer sowieso ein schlechtes Bild über sich selbst hat, wird Mut dazu brauchen, diese Denkweise in Frage zu stellen. Sich nun selbst mehr zu achten ist anfangs ein wirklich mutiger Schritt. Sich anfangs damit egoistisch oder befremdlich zu fühlen ist nicht unüblich, aber mutig weiterzumachen und sich selbst zu loben, wird dieses irgendwann überflüssig machen.

Selbsterhöhung

Andere Menschen, die eher aus einer sich selbst erhöhenden Position kommen, müssen den Mut aufbringen, zu erkennen, dass sie sich eher egoistisch, überheblich oder distanziert benommen haben, als mitmenschlich oder rücksichtsvoll. Dass sie vielleicht mit ihrem selbstbezogenen Verhalten anderen Menschen weg getan haben, erfordert nicht nur eine mutige Selbsterkenntnis, sondern auch den Mut gegenüber dem Umfeld dazu zu stehen und womöglich um Verzeihung zu bitten. Hierfür eine Entschuldigung oder ein erstes klärendes Gespräch anzustreben, erfordert Mut. 

 

Wer sich aufgrund von Erfolg oder Bekanntheit eine "höhere" Stellung zuschreibt und durch Selbsterkenntnis oder einen Fall dazu aufgefordert ist, seinen selbst erwählten Thron zu verlassen, muss nicht nur seine Krone zurechtrücken, sondern auch erlernen, was es bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt sind.


Eine Schwäche offenbaren

Auch wenn wir in vielen Bereichen, z. B. im Beruf (Leitung), im Sport (Wettbewerbe) oder im Bereich unserer Hobbys und der Freizeit (Achterbahn fahren) ganz leicht viel Mut aufbringen, kann es noch sehr viel mehr Mut erfordern, etwas zu tun, das eine Schwäche offenbart, sei es, dass wir etwas nicht können oder nun unsere wahren Gefühle einem anderen Menschen gegenüber mitteilen möchten oder sollten. An anderen Stellen stark und jeder Herausforderung gewachsen zu sein, ist womöglich selbstverständlich und es kann mehr unserer Persönlichkeit entsprechen, als zu gestehen, dass Gefühle in manchen Dingen eine Rolle spielen. Einem Menschen zu sagen, mehr Nähe zu brauchen, mehr Fürsorge oder Aufmerksamkeit, kann einen ansonsten starken, selbstbestimmten oder dominanten Menschen in die Knie zwingen. Gesellschaftliche Ansprüche und einem Rollenbild entsprechen zu wollen, erfordert mitunter weniger Mut, als sich einzugestehen, dem nicht gewachsen zu sein und Unterstützung zu brauchen.

Sich outen

Wer sich schon mal outen musste oder besser sollte, wird wissen, wie viel Mut es bedarf, sich zu offenbaren. Ob wir nun unsere Neigungen, Leidenschaften, völlig neue Wege oder Vorhaben, geheime Wünsche oder Sehnsüchte usw. darlegen wollen, spielt keine Rolle. Dieser erste Schritt ist der schwierigste, denn wir wissen oft nicht, wie die Reaktionen darauf sein könnten, was andere dazu sagen oder denken. Und gerade wenn uns dies bereits vorher klar ist, ist der Schritt sehr gewagt, denn wir wissen, dass wir auf Ablehnung, Abwertung, Ignoranz oder Konflikte stoßen werden. 

 

Entscheidend ist herbei der Umgang mit den auf unsere Offenbarung folgenden Reaktionen, der mitbestimmt, wie viel Mut für dafür letztendlich aufbringen müssen.


Offen sprechen

Ein eher ruhiger, reservierter, zurückhaltender oder schüchterner Mensch braucht Mut, um zum ersten Mal seine Meinung offen zu vertreten oder vor eine Gruppe zu sprechen. Seine Gefühle und Gedanken ein erstes Mal mitzuteilen kann sehr schwierig sein. Dabei ist es unerheblich, ob wir diese einem bisher unbekannten, fremden oder neuen Menschen in unserem Leben oder in einer bereits bestehenden Beziehung kundtun. Etwas zu sagen, worüber zuvor nicht gesprochen wurde, bedarf beim ersten mal Mut.

Nein sagen

Ein sehr gebender, toleranter, höflicher oder helfender Mensch braucht Mut, um zum ersten Mal "Nein" zu sagen. Unsere Grenzen können sich verändern, das merken wir bspw. dadurch, dass unsere Kraft nachlässt und wir nicht mehr wie zuvor viel geben können. Wir machen neue Erfahrungen und dadurch ändern sich unsere Ansichten. Zunächst diese Grenzen in sich selbst anzuerkennen ist das erste Nein. Außenstehenden dieses dann mitzuteilen ist das zweite Nein. Beide Abgrenzungen können Mut erfordern. Sich selbst einzugestehen, dass ein Punkt, eine Grenze, die Möglichkeiten überschritten wurden, ist bereits oft ein mutiger Schritt. Sich etwas einzugestehen, erfordert die Bereitschaft etwas zu wagen, was zuvor womöglich nicht mal denkbar geschweige denn bewusst war. Nun diese Grenzen zu ziehen und diese in die Tat umzusetzen sind mutige und wichtige Schritte.



Innere Befreiung von Druck und Zwang

Es kann unsere Lernaufgabe sein, Dinge anders zu bewerten oder uns selbst weniger unter Druck zu setzen. Über diesen Weg kann eine Verpflichtung zwar bleiben, aber der Zwang, der dahinter stehen dürfte, kann abgebaut werden. Diese innere Befreiung kann neue Lebensenergie freisetzen, die wir ganz nötig brauchen, um uns wieder aufzubauen und den Mut für andere, neue Schritte aufzubringen.

 

Sind wir in Körper, Geist und Seele so aufgebraucht, dass wir nicht mal mehr den kleinsten Schritt machen können, ist es umso wichtiger, in irgendeiner Weise eine Auszeit zu nehmen. Die allein erfordert schon verdammt viel Mut, vor allem, wenn wir in Lebensstrukturen stecken, die uns viel Verantwortung auferlegt haben und (viele) andere von uns abhängig sind. Reicht es, in diesem Fall der eigenen Gesundheit den Vorrang zu geben? Trauen wir uns das? Keine leichte Frage! Oft muss das aber so sein. Der Rückzug - und wenn er noch so klein ist - ist wichtig, um zu regenerieren und das Innere zu erforschen, wo unsere Prioritäten liegen oder was unsere wahren Wünsche sind. Das bedeutet nicht, dass wir unsere wichtigen und ans Herz gewachsenen Verpflichtungen oder Beziehungen aufgeben müssen, aber zumindest ist es für die weitere Zukunft sinnvoll, die Einstellung zu diesen Dingen zu ändern. Denn auch innerer Druck und Zwang können die Kräft mit der Zeit auszehren. Wenn wir immer unter Anspannung stehen, auch wenn die eigentliche Aufgabe das gerade nicht erfordert, zieht es uns Energie ab, die uns dann an anderen Stellen fehlt. Wird dies zum Dauerzustand, erreichen wir früher oder später unsere menschliche Grenze. Das gilt auch für diejenigen unter uns, die täglich gerne 10 Stunden oder mehr arbeiten. Nun ist es der erste Schritt in eine Pause, die wahrhaftig und wirklich eine Pause ist und wir in dieser Zeit richtig und tatsächlich abschalten (!), der wichtigste und erfordert all unseren Mut. Denn genau so etwas könnte ja unsere Schwäche offenbaren, nämlich, dass wir keine Maschinen, sondern Menschen mit nicht unendlicher Energie sind. Wir wollen für alle der Fels in der Brandung sein? Wir wollen derjenige sein, auf den immer Verlass ist? Wir wollen so viel wie möglich unter Kontrolle haben? Das kann auf Dauer keiner schaffen. Wir Menschen brauchen Zeit, um Körper, Geist und Seele auszuruhen, damit wir uns erholen können, um für neue Aufgaben gerüstet zu sein.

Das Gegenteil: Schnell etwas verändern im Leben

Es gibt auch die Gegenseite, die schnell bereit ist, Veränderungen einzuleiten, weil die aktuelle Situation dies so erfordert. Ob dies nun klug ist oder nicht, wissen wir bekanntlich oft erst hinterher.

 

Wer mutig und spontan seine ersten Schritte umsetzt, kann sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung stoßen. Das kommt wie immer auf den Einzelfall und die beteiligten Personen an. Wenn jemand von heute auf morgen eine Beziehung beendet und dem anderen nicht die Chance gibt, darüber zu sprechen, können die Reaktionen unterschiedlich ausfallen. Wenn jemand einen bestimmten Knopf drückt, eine Entscheidung fällt, die Richtung ändert, welche verheerende Folgen mit sich bringen können, kann das die eine Partei beschützen, die andere aber verletzen.

 

Sind wir zu stürmisch, zu ungeduldig, zu spontan, kann das ungeahnte Folgen mit sich bringen. Das ist dann wiederum ein anderes Thema...


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